Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

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blog:freebsd [2013/02/17 00:18]
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blog:freebsd [2013/02/17 00:19] (aktuell)
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 +====== Goodbye Gentoo - back to FreeBSD ======
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 +===== Mit Linux hat es begonnen - und dann kam der 2.6/3.x er Kernel =====
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 +Seit 1996 nutze ich Linux. Ich mag Linux. Und seit dem 2.6er Kernel habe ich oft beide Augen zugedrückt... Aber: der Linux Kernel 2.6 nervt... Der 3.x nervt noch mehr. 
 +Bis 2.6.16 ging es ja noch einigermaßen aber danach kam doch nur noch der Krampf. Ich denke übrigens, es war keine gute Entscheidung von Linus Towalds, den experimental Kernel Zweig abzuschaffen. Darüber könnte man seitenweise Bücher füllen. Soweit ich mich erinnere wurde im 2.6er Kernel ca. 3x das WiFI Framework ausgetauscht... Bei 2.6.17 brach alles Mögliche Mit SATA zusammen. Irgendwo um den 2.6.32er gab es die Probleme mit Netzwerkkarten, zwischendurch konnte man das "loop" Modul nicht fest in den Kernel compilen der sonst den Dienst verweigert hat...
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 +Er ist instabil (geworden), die Distributionen sorgen mit wahnwitzig instabilen initrd's dafür das der Kernel erstrecht nicht mehr bootet, unregelmäßig Probleme mit Raidcontrollern verursacht, sich auf einigen Systemen gar nicht erst installieren lässt. 
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 +Ein Kernel Trace heißt heutzutage nicht mehr: kritischer Fehler sondern - da ist eine kleine Warnung das der USB-Stick fehlerhaft ist. Eine Unterscheidung zwischen wirklich kritischen Fehlern und random kernel noise ist schwerer geworden.
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 +===== FreeBSD - first time - und dann kam Gentoo =====
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 +Ungefähr 2003 hatte ich bereits seitlich neben Linux zu FreeBSD geschielt und sogar knapp ein halbes Jahr genutzt bis mich damals ein alter Freund besucht hatte und er (Pelle Böse) sowie ein Kumpel von ihm mir Gentoo nahe gelegt hatten. Für mich ist das tatsächlich noch ein historischer Augenblick denn bei Gentoo bin ich bis vor ein paar Wochen hängen geblieben, trotz kurzzeitige Abwanderungen zu anderen Systemen wie Archlinux oder Debian. 
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 +Auf der Arbeit wurde Debian, Ubuntu, SuSE, CentOS und Redhat genutzt, für eigene Appliances ganz gern auch mal ein Gentoo. Ich hatte also immer recht viel mit Linux zu tun.
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 +Die Update-Probleme von Ubuntu und manchmal Gentoo mit Abhängigkeitswahn hatte mir immer so einige Zeit gestohlen, ohne ein vorheriges Backup war es kaum möglich, nach einem Update sinnvoll weiterzuarbeiten. Also erst wieder zurück bis Zeit zum Update-Problem beheben war.
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 +===== ZFS vs. BTRFS =====
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 +Ich glaube auf der Cebit 2010 (oder 2011?) war Sun sehr präsent. Ich hatte das Glück am letzten Tag nochmal über die Hallen schlendern zu können. OpenSolaris war immer recht faszinierend, aber ich hatte bis dato wenig damit zu tun. Jörg Möllenkamp hatte am Sun-Stand seine Zeit damit verbracht, Menschen zu zeigen wie toll OpenSolaris und die einzelnen Komponenten sind. Er nahm sich sehr viel Zeit für mich und gab mir eine kleine Einführung in ZFS.
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 +DAS wollte ich haben! Aus Zeit- und Anwendungsgründen hatte es mich aber nicht so ganz überzeugt, auf OpenSolaris umzusteigen, dann kam die Übernahme von Oracle und der Tod von OpenSolaris... 
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 +BTRFS als Dateisystem wurde zu der Zeit schon vor der Übernahme durch Oracle als ZFS-Killer genannt, bzw eine gute Alternative unter Linux. 
 +Ich hatte den Umstieg gewagt und BTRFS genutzt, für ca. ein halbes Jahr, mit zweimal katastrophalen Crashes vom Dateisystem (die dank rsync Backup's keine großen Folgen hatten). Das erste Mal war kein wirklicher Grund zu finden, das Dateisystem war schlichtweg im Eimer - gut, war wohl noch zu früh für eine Nutzung.
 +Das nächste mal wollte ich von meinem System ein Update durchführen und vorher ein Snapshot machen.
 +Das Update war nicht ganz erfolgreich, sodaß ich dachte: HA! Jetzt habe ich BTRFS und Snapshots. Ich änderte also mein ROOT auf die vorherige Version, weiterarbeiten und später wieder das Update fixen.
 +Irgendwo ging es dann daneben. Ich konnte nicht mehr auf die Daten zugreifen, durch das Umsetzen des ROOT's war vorbei.
 +Die Jungs im BTRFS IRC-Channel und auf der Mailingliste waren nett, bestätigten mir aber das da noch das ein oder andere Problem existierte.
 +Ich war danach wieder Nutzer von Ext3. Die coolen Funktionen von BTRFS oder ZFS konnte ich trotzdem nicht nutzen.
 +Die Zeit strich ins Land und ich beobachtete die BTRFS Mailingliste. Immer wieder tauchten kritische Fehler auf, selbst wenn ich mich nicht irre in 2012. Das ist kein gutes Zeichen für ein nearly-stable-Dateisystem... ZFS gab es mittlerweile auch als FUSE Modul und als "native port", durch meine Erfahrungen mit BTRFS war ich da jedoch vorsichtig. FUSE als Root-Dateisystem wäre Performance-technisch grundsätzlich sowieso eher ein totaler Gau... Der "native" Port, naja mal sehen, bisher sind ja noch nicht mal die Lizenzrechte klar geklärt (GPL Diskussionswahn).
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 +===== Neuinstallation, der Ubuntu-Versuch und was kommt danach? =====
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 +Meine Installation war jetzt schon etwas älter, durch eine neue Festplatte hätte ich die Daten übernehmen oder eine neue Installation durchführen können. Da die letzten Gentoo-Updates durch inkonsequentes Updaten meinerseits nicht ganz reibungslos verlaufen wollten entschied ich mich, auf Ubuntu umzusteigen (mal wieder, die letzten Male bin ich immer wieder zu Gentoo zurückgekehrt).
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 +Keine Chance! Ubuntu 12.10 blieb jedesmal beim Booten an der Festplatte hängen, mit seltsamen Pseudo-Timeouts. Ich hatte etliche Sachen probiert, keine Chance. Das war zuviel...
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 +Ich verglich etwas offener die Möglichkeiten die noch neben Linux momentan existierten, ein paar Vorgaben gab es zu erfüllen. 
 +
 +__Vorgaben:__
 +  * ROOT-FS Crypt (Vollverschlüsselung)
 +  * VirtualBox Host (hohe Priorität)
 +  * möglichst ZFS als Dateisystem
 +  * XFree86/Xorg
 +  * Gnome (gern auch das gute alte Gnome2)
 +  * Compiz inklusive avant-window-navigator wäre klasse gewesen, ich mag das Wabbelzeugs.
 +  * OpenOffice
 +  * Shell-Kram
 +  * WLAN/Netzwerk funktionsfähig
 +  * einigermaßen zügig
 +  * samba(cifs)/nfs
 +  * ssh
 +  * crossover office wäre schön
 +  * fuse wäre schön
 +  * openvpn
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 +Mac OSX, OpenIndiana und FreeBSD blieben in der engeren Auswahl.
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 +Mac OSX wäre wahrscheinlich mein Favorit gewesen, es ist eine schöne stabile Alternative zu Linux - und es wäre eine passende Ergänzung da ich sowieso iPhone/iPad nutzer bin. Bisher habe ich immer ganz gern mit Mac OSX gearbeitet. Das Problem dabei momentan: Ich habe kein Mac Book Pro und werde mir auch vorerst keins kaufen, dafür ist mir die Hardware einfach zu teuer. Ich konnte einige Erfahrungen mit Hackintosh's sammeln, es bleibt aber immer am Thema WLAN hängen. Selbst extra gekaufte angeblich kompatible WLAN-Karten zicken rum und werden unter Mac OSX nicht erkannt, das Ganze ist auch eher problematisch wenn es um Updates geht. Ich hatte auch schon eine lustige Erfahrung beim Herunterfahren von einem Mac OSX Hackintosh der erst durch ziehen der Bios-Batterie wieder zum Leben zu erwecken war. Mac OSX ist somit momentan indiskutabel.
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 +Blieben noch OpenIndiana und FreeBSD. Hier fiel die Wahl relativ leicht. Ich mag die Idee von OpenIndiana und ich denke wenn das Projekt noch etwas weiter vorangeschritten und die Community größer wäre - ein Versuch wäre es gewesen.
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 +===== Let's try FreeBSD - again =====
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 +Die Wahl fiel auf FreeBSD, es hatte sich seit 2003 einiges getan. Erwachsenes System, die meisten GNU/OpenSource Anwendungen laufen sowieso auf FreeBSD, es ist grundsätzlich eine binäre Distribution - nutzt aber auch den Ports (von dem sich damals Gentoo die Idee geliehen hat). Ich begann also, FreeBSD in einer VirtualBox direkt auf eine Festplatte zu installieren, den root-crypt einzurichten und mich damit vertraut zu machen - so konnte ich weiterhin mein System nutzen und mich vorsichtig herantasten. Die Erfahrungen dazu findet Ihr unter [[freebsd9_full_disc_encryption_root_zfs]].
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 +Im Januar lief das erste Xorg System mit Gnome2. Ich baute die Festplatte in ein anderes Notebook und testete den ersten Boot auf echter Hardware - es funktionierte problemlos. Gnome2 lief und ich wäre arbeitsfähig gewesen. Als ich ein paar Stunden später die Festplatte in mein Notebook umbauen konnte wurde ich mit der netten Einschränkung konfrontiert, das ein Lenovo W520 Notebook keine GPT Partitionen unterstützt und nicht booten kann. Danke Lenovo!
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 +Das darauffolgende Wochenende verbrachte ich damit, die Installation auf eine temporäre Festplatte mit "zfs send" zu übertragen und gleich etwas mit ZFS zu üben. Die weitere Einrichtung der Festplatte mit Crypt nach der alten MBR Methode und Slices findet Ihr auch unter [[freebsd9_full_disc_encryption_root_zfs]].
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 +Nun denn, nach der weiteren Übertragung der Daten zurück konnte ich zuverlässig booten und musste die Festplatte nicht wieder zurückbauen.
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 +===== Rückblick auf die Anforderungen =====
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 +Ich nutze FreeBSD jetzt seit ca. 2 Monaten täglich auf meinem Notebook. Ich habe weniger Einschränkungen durch den Umstieg als ich erwartet habe, im Prinzip merke ich kaum einen Unterschied bei der Bedienung zu meinem vorherigen System, allerdings habe ich einige große Vorteile erlangt.
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 +==== Anforderungsliste ====
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 +  * ROOT-FS Crypt (Vollverschlüsselung) => OK: mit geli. Klappt prima!
 +  * VirtualBox Host (hohe Priorität)    => OK: allerdings nur mit USB 1.1, ähnlich zu der OSE Version. Gut, kann man mit leben.
 +  * möglichst ZFS als Dateisystem       => OK: STRIKE! YES! ENDLICH ENDLICH ENDLICH!!!!!!!
 +  * XFree86/Xorg                        => OK: sicherlich. Gab es ja sogar fast vor Linux.
 +  * Gnome                               => OK: Gnome2, das gute alte stabile Gnome2 ohne seltsame gnome-shell
 +  * Compiz                              => OK: JAU! Wabbelfenster! Widget-Ebene, etc etc etc :) 
 +  * avant-window-navigator              => OK: JUCHU!!!! ER TUT!
 +  * OpenOffice                          => OK: Jupp.
 +  * Shell-Kram                          => OK: Auch. Unix-Stuff halt.
 +  * WLAN/Netzwerk funktionsfähig        => OK: Jupp. Ich muss mir zwar mal den Syntax von PF anschauen aber das System wird Ähnlich zu iptables sein.
 +  * einigermaßen zügig                  => OK: Jau, passt. Ich denke das die Tests die Phoronix gemacht hat zwar pro-Anwendung stimmen, die Haptik und Geschwindigkeit vom System grundsätzlich schneller ist. Vielleicht funktioniert der Scheduler einfach besser, das weiss ich noch nicht.
 +  * samba(cifs)/nfs                     => OK: Japp, nfs fühlt sich schneller an, ist aber auch pingeliger was Optionen angeht. Integriert in ZFS. Cool!
 +  * ssh                                 => OK: Shell Tools Kram.
 +  * crossover office                    => NEIN: momentan gibt es nur eine unsupported 10.x Version, ich habe mal angefragt.
 +  * fuse                                => OK/JEIN: Verfügbar aber crashed bei sshfs den Kernel.
 +  * openvpn                             => OK.
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 +==== Was habe ich dazu bekommen womit ich nicht zwangsweise gerechnet habe? ====
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 +  * NVidia (3D)                         => Es gibt auch die Binärtreiber für FreeBSD. Daher auch Compiz Spielkram.
 +  * wine                                => Es gibt aktuelle Wine-Builds mit denen sogar Guild Wars 2 sehr gut läuft! :)
 +  * jails                               => So etwas Ähnliches wie virtuelle container, engere chroot's. 
 +  * linuxulator                         => Wie genial ist das denn? Linux nativ als Schnittstelle vom FreeBSD Kernel. Stand ca. 2.6.16er Kernel.
 +  * bootloader                          => Der ziemlich triviale boot0 Bootloader ist in der Lage OHNE große Konfiguration selbst zu erkennen wenn etwas Anderes wie Windows gebootet werden könnte
 +  * ZFS                                 => Ja ich weiß, ich habe es oben erwähnt als "OK" aber das es SO cool ist wusste ich nicht...
 +  * einen rotz stabilen Kernel          => Muss man wenig zu sagen.
 +  * XBMC                                => XBMC! YES! Es läuft! Wie genial ist das?
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 +==== Was noch nicht ganz funktionsfähig oder ungewohnt ist ====
 +  * netstat -ar                         => Wenn man route -n gewohnt ist muss erstmal gesucht werden. Ein paar Befehle sind nunmal anders, selbst "sed"
 +  * kein NetworkManager                 => der war für WLAN und OpenVPN immer ganz praktisch; dafür gibt es aber den wifimgr
 +  * PackageKit                          => nicht wichtig, aber das Ding zeigt mir welche Pakete alt sind und die ich updaten könnte. Der Update-Befehl ist aber noch nicht implementiert, da muss die Console her.
 +  * fuse-sshfs                          => Da scheint irgendwo ein Bock im FUSE Modul zu sein
 +  * suspend                             => Zu Hause funktioniert es, auf der Arbeit nicht
 +  * pulseaudio                          => Wobei ich gemerkt habe das ich das durch die virtuellen Sound-Mixer Devices gar kein pulseaudio als mixer brauche. Es ist installiert aber irgendwas funzt noch nicht ganz
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 +===== Fazit =====
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 +Es läuft noch nicht Alles ganz rund, es scheint aber als wäre der Umstieg eher eine Bereicherung als eine Verschlechterung.
 +ZFS ist einfach grandios, ich habe die Vorteile aus der konservativen (stabilen) Unix-Welt, kann aber durch den linuxulator trotzdem einiges aus der Linux-Welt nutzen. Momentan compiled übrigens ein gentoo-i686 im chroot auf meinem FreeBSD 9.1 das später im Jail laufen wird wenn ich es mal brauche - auf ZFS (hihihihihi).
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 +Ich denke demnächst schaue ich mir [[http://wiki.gentoo.org/wiki/Gentoo_FreeBSD|Gentoo/FreeBSD]] an, das Paradoxum an sich.
 +Gentoo wurde vom FreeBSD Ports inspiriert und mittlerweile gibt es mit Gentoo/FreeBSD ein System das den FreeBSD Kernel nutzt aber ein Gentoo System abbildet. [[http://archbsd.net/|ArchBSD]] zuckt auch ab und zu mit News...
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 +Bis dahin werde ich zufrieden weiter ZFS auf meinem FreeBSD nutzen. Ich bin gespannt wann die Ernüchterung kommen sollte und ich zu Gentoo/Linux zurückkehre... Momentan nach den letzten Wochen sieht es aber absolut nicht so aus.
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 +Übrigens, ein paar Tipps für Umsteiger habe ich unter [[http://wiki.gentoo.org/wiki/Gentoo_FreeBSD]] zusammengefasst. Ihr findet dort keine direkten komplexen Anleitungen, eher Tipps.
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 +{{tag>freebsd gentoo linux}}
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 +~~LINKBACK~~
 +~~DISCUSSION~~
  
 
 
         
         
   
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